Laufrichtungdas Reifenmagazin

Reifen verliert Luft

Ein Reifen verliert Luft meist langsam, und gerade das macht ihn tückisch: Du merkst es erst an der RDKS-Leuchte oder am schwammigen Lenkgefühl. Wir sagen dir, was an Druckverlust normal ist, wie du die Leckstelle mit Seifenwasser findest und wann du nicht mehr weiterfahren darfst.

Von Lena Brandt, fachlich geprüft von Tobias Rehm. Stand Oktober 2026.

Reifen verliert Luft

Der Astra von 2013 stand zum dritten Mal in Tobias Rehms Werkstatt, und jedes Mal klagte der Besitzer dasselbe: Der Reifen hinten links verliert Luft, rund 0,3 bar pro Woche. Zweimal hatte jemand das Ventil getauscht, einmal war ausgewuchtet worden. Tobias nahm den Reifen von der Felge und fand auf dem Felgenhorn einen weißlichen Belag, Aluminiumkorrosion, die den Wulst nicht mehr dicht schließen ließ. Bürste, Reinigung, neue Montagepaste. Ein Handgriff, nach drei Besuchen.

Ein Reifen ist nie ganz dicht. Die Luft wandert durch den Gummi, und deshalb gehört die Druckkontrolle zu jedem Monat dazu. Bei Reifen lohnt es sich aber, den normalen Verlust vom Leck zu unterscheiden, bevor du Geld ausgibst.

Reifen verliert Luft: Was noch normal ist

Rund 0,1 bar pro Monat verliert jeder Reifen durch Diffusion, das gilt als normal. Kälte senkt den Druck außerdem, um etwa 0,1 bar je 10 Grad. Verlierst du deutlich mehr oder fällt der Druck plötzlich ab, steckt ein Leck dahinter.

Beobachtung Einordnung Nächster Schritt
etwa 0,1 bar weniger pro Monat Diffusion, normal monatlich kalt messen
0,3 bar weniger, wenn es von 25 auf minus 5 Grad geht Physik, kein Defekt bei Kälte nachfüllen
deutlich mehr als 0,1 bar im Monat verdächtig Seifenwasser-Test
plötzlicher Abfall, Lenkrad zieht Panne anhalten, siehe Reifenpanne
RDKS-Leuchte brennt mindestens 20 Prozent unter Soll anhalten, Druck messen

Das Phänomen kennst du aus dem Oktober: Über Nacht fallen die Temperaturen um 15 Grad, und am Morgen leuchtet das RDKS. Kein Leck, nur Physik. Continental nennt für die Kälte 0,07 bis 0,14 bar weniger je 10 Grad. Du füllst bei kalten Reifen auf den Sollwert auf. Wird es wieder wärmer, steigt der Druck von selbst.

Der ADAC rät, den Druck mindestens einmal im Monat zu prüfen, bei Vielfahrern alle zwei Wochen. Miss kalt, also vor der Fahrt oder nach wenigen Kilometern. Nach mehr als 10 Kilometern Fahrt zeigt das Gerät einen zu hohen Wert, und du pumpst dir einen zu niedrigen Druck zurecht. Den Sollwert findest du im Tankdeckel oder an der B-Säule.

Die Verdächtigen: Ventil, Felgenhorn, Nagel

Wenn ein Leck da ist, sitzt es fast immer an einer von drei Stellen. Die Reihenfolge hier ist zugleich die, in der eine Werkstatt prüft: von billig nach teuer.

Ventil

Das Ventil ist der häufigste und billigste Fall. Gummiventile werden mit der Zeit porös, durch UV-Strahlung, Streusalz und Bremsstaub. Werkstätten tauschen sie deshalb gern bei jedem saisonalen Reifenwechsel. Auch ein locker sitzender Ventileinsatz lässt Luft entweichen, den ziehst du mit einem Ventilkernschlüssel nach. Die Kappe mit Dichtung ist die zweite Barriere und gehört immer drauf.

Bei Rädern mit Sensor am Ventil altert nach Jahren auch der Dichtsatz des Sensors, den die Werkstatt bei der Montage gleich mit tauscht. Frag beim Termin nach, ob das neue Ventil in der Montage steckt, denn die Preise sind nicht überall gleich.

Felgenhorn

Am Felgenhorn sitzt der Reifenwulst. Rost bei Stahlfelgen, Aluminiumkorrosion oder ein Kratzer vom Bordstein lassen hier Luft durch, meist langsam und über Wochen, genau wie beim Astra aus der Werkstatt. Der Monteur nimmt den Reifen ab, reinigt den Sitz und trägt neue Paste auf.

„Wer jede Woche aufpumpt, repariert nichts, er verwaltet ein Leck. Irgendwann ist die Flanke vom Fahren mit zu wenig Druck durch, und dann reden wir über einen neuen Reifen statt über fünf Minuten Reinigung.“

Tobias Rehm, Kfz-Techniker und technischer Berater der Redaktion

Aufpumpen ist für den Heimweg gut, als Dauerlösung taugt es nicht. Tobias rät davon ab, einen Dauerverlierer immer nur nachzufüllen.

Nagel und Schraube

Steckt ein Nagel im Reifen, bleibt er drin. Er dichtet das Loch teilweise ab, und beim Herausziehen verlierst du den Rest der Luft. Prüf den Druck, pump bei Bedarf auf und fahr mit reduziertem Tempo direkt zur Werkstatt. Ob der Reifen dort noch repariert werden darf, erklärt Reifenschaden erkennen.

Reifen verliert Luft: Der Seifenwasser-Test

Dafür brauchst du eine Sprühflasche mit Wasser und einem kräftigen Schuss Spülmittel. Du musst das Rad meist nicht abnehmen, aber der Reifen sollte auf Sollwert oder etwas darüber aufgepumpt sein. Blasen zeigen die Leckstelle an.

  1. Ventil und Ventilfuß zuerst einsprühen, sie sind der häufigste Verdächtige.
  2. Das Felgenhorn rundum abfahren, auf beiden Seiten, Stück für Stück.
  3. Die Lauffläche einsprühen und das Rad dabei von Hand weiterrollen.
  4. Die Flanke ansehen, vor allem nah am Felgenhorn.
  5. Jede Stelle mit Bläschen markieren, auch wenn sie winzig ist.
  6. Nach der Reparatur dieselbe Stelle noch einmal einsprühen.

Blubbert nach allen sechs Schritten nichts, bleibt die Felge selbst im Verdacht. Bei älteren Alufelgen kommen nach einem Schlagloch Haarrisse vor, und manche Gussfelgen sind an einzelnen Stellen porös. Das erkennt nur die Werkstatt im Wasserbad.

RDKS: Was die Warnleuchte kann und was nicht

Das RDKS ist seit dem 1. November 2014 in neuen Pkw Pflicht. Es warnt, wenn der Druck 20 Prozent unter den Sollwert fällt, bei 2,4 bar Soll also bei knapp 1,9 bar. Direkte Systeme messen mit Sensoren am Ventil oder im Rad. Indirekte Systeme werten die Raddrehzahl über das ABS aus, reagieren langsamer und zeigen oft nicht, welches Rad betroffen ist.

Die Leuchte lügt nicht, aber sie kommt spät. Wer erst auf sie wartet, fährt schon eine Weile mit deutlich zu wenig Druck. Bei vielen Modellen bedeutet ein Blinken von etwa einer Minute und danach Dauerlicht keinen Druckverlust, sondern einen Systemfehler. Nach dem Reifenwechsel müssen die Sensoren angelernt oder das System zurückgesetzt werden, sonst leuchtet es dauerhaft. Bei der Hauptuntersuchung ist ein nicht funktionierendes RDKS ein erheblicher Mangel.

Schleichender Plattfuß: Wie weit du noch kommst

Ein schleichender Plattfuß ist gefährlicher, als er sich anfühlt. Du erkennst ihn an der leicht bauchigen Flanke, am Zug im Lenkrad beim Loslassen und an einem Auto, das sich in Kurven schwammig anfühlt. Mit zu wenig Druck walkt die Flanke stärker, der Reifen erhitzt sich, und die Karkasse leidet. Bleibt der Wagen so lange im Einsatz, wird aus einer Reparatur für 20 bis 50 Euro ein neuer Reifen, denn ein luftleer gefahrener Reifen lässt sich meist nicht mehr reparieren. Dazu steigt der Verbrauch, weil der Rollwiderstand wächst, und der Wasserabzug leidet, mehr dazu bei Aquaplaning.

Brennt die Leuchte, fährst du mit Tempo 80 zur nächsten Tankstelle, pumpst auf und beobachtest. Hält der Druck nach einer Stunde nicht, kommt der Wagen in die Werkstatt, und nicht auf den Heimweg. Was dich das kostet:

Leistung Preis 2026
Reifenreparatur mit Kombireparaturkörper 20 bis 50 Euro
Aus- und Einbau mit Wuchten 15 bis 30 Euro
RDKS-Sensor ersetzen 30 bis 80 Euro
RDKS anlernen 20 bis 50 Euro
Neuer Reifen 205/55 R16, Budget bis Premium 50 bis 135 Euro

Ob sich eine Reparatur lohnt oder ein neuer Reifen die bessere Wahl ist, rechnet der Reifenkosten-Rechner über fünf Jahre durch. Was ein neuer Satz im Ganzen kostet, steht bei Reifen kosten. Weitere Warnzeichen sammelt die Rubrik Reifenprobleme.

Quellen und Rechtsgrundlagen

  • UN-Regelung Nr. 64 (Reifendruck-Kontrollsysteme, Warnschwelle 20 Prozent)
  • ADAC: Reifendruck-Kontrollsysteme (RDKS)
  • Continental Reifenwissen: Reifendruck im Winter