Was Reifen kosten
Was Reifen kosten, entscheidet sich an vier Stellen: Größe, Marke, Montage und Laufleistung. Wir legen die Preise 2026 nach Größe nebeneinander, rechnen Montage, RDKS und Entsorgung dazu und kommen am Ende auf Cent pro Kilometer.
Von Lena Brandt, fachlich geprüft von Tobias Rehm. Stand Oktober 2026.

Jonas aus unserer Leipziger Redaktion bestellte im März vier Sommerreifen für seinen Kompakten, 205/55 R16, viermal 54 Euro, zusammen 216 Euro. Eine Woche später lag die Rechnung des Monteurs auf dem Tisch: 112 Euro für Montage und Wuchten, 16 Euro für die Altreifen. Auf dem Beleg standen am Ende 344 Euro, knapp 130 Euro mehr als im Warenkorb. Was Reifen kosten, steht nie auf einem einzigen Zettel. Es gibt den Preis auf dem Etikett und den Preis, den du bezahlst, und dazwischen liegen Montage, Sensoren, Entsorgung und die Frage, wie lange der Satz hält. Wir haben beides für 2026 sortiert.
Was Reifen nach Größe kosten
Ein Satz Markenreifen kostet 2026 zwischen rund 220 Euro für einen Kleinstwagen auf 14 Zoll und bis zu 1.000 Euro für ein SUV auf 19 Zoll. Günstige Marken liegen in der Tabelle grob ein Drittel darunter. Die Zahlen sind Richtwerte aus Händlerlisten und Preisvergleichen, Stand Oktober 2026, für Sommerreifen und ohne Montage.
| Größe | Typischer Einsatz | Günstige Marke, pro Reifen | Markenware, pro Reifen | Satz Markenware |
|---|---|---|---|---|
| 165/65 R14 | Kleinstwagen | 40 bis 55 € | 55 bis 90 € | 220 bis 360 € |
| 185/65 R15 | Kleinwagen | 50 bis 65 € | 70 bis 105 € | 280 bis 420 € |
| 205/55 R16 | Kompaktklasse | 50 bis 70 € | 70 bis 135 € | 280 bis 540 € |
| 225/45 R17 | Mittelklasse | 65 bis 90 € | 90 bis 170 € | 360 bis 680 € |
| 225/40 R18 | sportliche Kompakte | 80 bis 105 € | 110 bis 210 € | 440 bis 840 € |
| 235/55 R19 | SUV | 110 bis 150 € | 150 bis 250 € | 600 bis 1.000 € |
Hinter der Spalte „Markenware“ stecken zwei Klassen. Premiummarken wie Michelin, Continental oder Pirelli stehen oben in der Spanne, die Mittelklasse und die Zweitmarken der Konzerne (etwa Kumho, Barum oder Uniroyal) unten. Darunter sitzen Importmarken und Hausmarken der Händler, das ist die Spalte „günstige Marke“. Ob der Abstand nach unten wirklich zu deinen Gunsten ausfällt, klärt der Abschnitt zu den Kosten pro Kilometer.
Die Spanne innerhalb einer Zeile hängt am Modell. Ein neu erschienener Reifen einer Premiummarke kann in 205/55 R16 bei 120 Euro stehen, das Vorgängermodell derselben Marke bei 80. Der größere Sprung liegt zwischen den Zeilen. Von R16 auf R19 verdoppelt sich der Preis pro Reifen ungefähr, ohne dass das Auto dadurch besser bremst. Die 19-Zoll-Option im Konfigurator kostet beim Autohaus Aufpreis und danach bei jedem Reifensatz rund 400 Euro mehr als die 16-Zoll-Variante.
Wer ohnehin klein fährt, findet bei Kleinwagen Reifen die günstigen Größen im Einzelnen. Eine kleinere Felge als serienmäßig spart Geld, geht aber nur mit einer Größe, die in der Zulassungsbescheinigung oder im Certificate of Conformity steht. Alles andere endet bei der Hauptuntersuchung oder an der Kontrolle.
Montage, Wuchten und Altreifen: die Posten neben dem Reifen
Die Werkstatt verlangt für das Aufziehen neuer Reifen samt Wuchten 2026 meist 20 bis 40 Euro pro Reifen, also 80 bis 160 Euro für den Satz. Ein reiner Radwechsel ohne neue Reifen liegt nach ADAC-Angaben (Stand März 2026) oft bei 100 Euro und mehr, einzelne Betriebe nehmen 50 Euro.
Was im Montagepreis steckt, unterscheidet sich von Betrieb zu Betrieb. Montiermaschine, Wuchtmaschine und Wuchtgewichte gehören immer dazu, Ventil und Entsorgung manchmal. Das Auswuchten solltest du bei neuen Reifen nicht streichen lassen. Der ADAC weist zu Recht darauf hin, dass es bei Rädern, die erst kürzlich gewuchtet wurden und gleichmäßig abgefahren sind, nicht immer nötig ist. Ein frisch aufgezogener Reifen auf einer älteren Felge ist aber eine neue Kombination, und schon wenige Gramm Restunwucht lassen bei Autobahntempo das Lenkrad flattern.
Der ADAC nennt als Beispiel eine Rechnung über 107,12 Euro, in der das Reinigen und Konservieren der Radnaben schon enthalten war. Solche Zusatzposten und eine Felgenwäsche landen auf der Rechnung, wenn du sie nicht vorher ausschließt. Bei 21-Zoll-Rädern verlangen Werkstätten außerdem Aufpreis, weil sie einen Radlift brauchen. Diese Posten tauchen auf der Rechnung auf:
- Montage mit Wuchten: 20 bis 40 Euro pro Reifen
- Reiner Radwechsel: 50 Euro bei den günstigsten Betrieben, oft 100 Euro und mehr
- Altreifen: 3 bis 12 Euro je Stück, manche Händler nehmen sie beim Neukauf umsonst zurück
- RDKS anlernen: bis 20 Euro beim indirekten System, meist 20 bis 50 Euro beim direkten
- Ersatzsensor: etwa 50 Euro, mit Einbau und Anlernen eher 60 bis 120 Euro pro Rad
- Einlagerung: 40 bis 80 Euro im Jahr, vereinzelt bis 100 Euro
Tobias Rehm sieht den Radwechsel gelassen: Wer zwei Sätze auf eigenen Felgen hat, kommt mit Wagenheber auf festem Boden und einem Drehmomentschlüssel in 20 Minuten durch. Das Anzugsmoment steht in der Betriebsanleitung, nach 50 bis 100 Kilometern ziehst du die Muttern noch einmal nach. Pro Saison bleiben so 50 bis 100 Euro in der Tasche, vom Zeitverlust abgesehen.
RDKS-Sensoren: der Posten im Radkasten
Seit dem 1. November 2014 ist das RDKS für neu zugelassene Pkw Pflicht. Es gibt zwei Bauarten, und sie liegen bei den Kosten weit auseinander. Das indirekte System liest die Raddrehzahlen der ABS-Sensoren aus, nach dem Wechsel muss es nur neu angelernt werden. Das direkte System misst mit einem Sensor im Rad. Der hat eine Batterie, und die ist irgendwann leer, meistens zum denkbar ungünstigen Zeitpunkt, nämlich mitten im Reifenwechsel.
„Bei einem Auto mit Direktsystem frage ich vor der Montage nach dem Sensor, nicht danach. Solange der Reifen sowieso offen ist, kostet der Tausch ein paar Minuten. Wer ihn später einzeln machen lässt, bezahlt die Montage ein zweites Mal.“
Tobias Rehm, Kfz-Techniker und Reifenfachverkäufer
Rechne bei einem Direktsystem deshalb mit einem Puffer von 100 bis 250 Euro für zwei bis vier Sensoren, wenn die Batterien älter sind. Gerade bei Gebrauchtwagen ist das ein Posten, den der Vorbesitzer gern nicht erwähnt. Welches System dein Auto hat, steht im Handbuch, und die Werkstatt sieht es beim Abziehen des Rades sofort. Frag danach, bevor du den Preis vergleichst, denn das Direktsystem ist der Grund, warum zwei Angebote für denselben Reifen um 100 Euro auseinanderliegen können.
Was Reifen pro Kilometer kosten
Der Preis pro Reifen sagt wenig, solange du ihn nicht durch die gefahrenen Kilometer teilst. Wir haben drei Sätze in 205/55 R16 durchgerechnet: eine günstige Marke, eine Marke der Mittelklasse und einen Premiumreifen, jeweils mit 140 Euro für Montage, Wuchten und Altreifen. Die Laufleistung ist dabei eine Annahme für das Rechenbeispiel, kein Messwert. Sie hängt an Auto, Fahrstil, Achse und Luftdruck.
| Günstige Marke | Mittelklasse | Premium | |
|---|---|---|---|
| Preis pro Reifen | 60 € | 85 € | 115 € |
| Satz mit vier Reifen | 240 € | 340 € | 460 € |
| Montage, Wuchten, Altreifen | 140 € | 140 € | 140 € |
| Gesamtkosten | 380 € | 480 € | 600 € |
| Angenommene Laufleistung | 30.000 km | 40.000 km | 50.000 km |
| Kosten pro Kilometer | 1,27 Cent | 1,20 Cent | 1,20 Cent |
Das Ergebnis liegt dichter beieinander, als der Kaufpreis vermuten lässt. Der günstige Reifen verliert nicht am Preis, sondern an der Montage, die du bei 30.000 statt 50.000 Kilometern früher ein zweites Mal bezahlst. Hält derselbe Reifen aber 40.000 Kilometer, kommt er auf 0,95 Cent und liegt vorn. Als Entscheidungsgrundlage taugt der Stückpreis nicht. Wir würden nach Nasshaftung und gemessenem Verschleiß aus unabhängigen Tests kaufen, und wie du solche Ergebnisse liest, steht in Reifentests 2026 richtig lesen.
Bei 15.000 Kilometern im Jahr kostet der Mittelklassesatz im Beispiel 180 Euro, das sind 15 Euro im Monat (eine Annahme, deine Zahl kann abweichen). Unabhängige Tests wie der ADAC-Sommerreifentest rechnen die Laufleistung aus dem Verschleiß nach 15.000 gefahrenen Kilometern bis zur gesetzlichen Grenze hoch. Das bleibt eine Prognose, aber eine mit Messung dahinter.
Dazu kommen die laufenden Kosten, wenn du zwei Sätze fährst. Zwei Radwechsel im Jahr (je 50 bis 100 Euro) plus Einlagerung (40 bis 80 Euro) ergeben 140 bis 280 Euro jährlich, über fünf Jahre also 700 bis 1.400 Euro, bevor du einen einzigen Reifen gekauft hast. Ganzjahresreifen sparen den zweiten Satz und diese Wechselkosten. Ob sie bei deiner Fahrleistung günstiger sind, hängt an ihrer Laufleistung, und genau das rechnet der Reifenkosten-Rechner mit deinen Zahlen über fünf Jahre durch.
Wenn das Alter früher zählt als das Profil
Zwei Sätze haben einen Nebeneffekt, den die Tabelle nicht zeigt. Jeder Satz läuft nur ein halbes Jahr, bei 15.000 Kilometern im Jahr 7.500 Kilometer pro Satz. Ein Reifen mit 40.000 Kilometern Laufleistung wäre dann erst nach über fünf Jahren abgefahren. Zu diesem Zeitpunkt gewinnt das Alter gegen das Profil: Gummi härtet aus, schon ab dem sechsten Jahr solltest du ihn prüfen lassen, nach etwa zehn Jahren ist er Ersatzkandidat, egal wie viel Profil noch drauf ist.
Für Wenigfahrer spricht das für den günstigen Reifen. Wer mit dem Zweitwagen 5.000 Kilometer im Jahr fährt, braucht die 30.000 Kilometer einer Günstigmarke erst nach sechs Jahren, und dann altert der Reifen schneller, als er verschleißt. Der Aufpreis für einen Premiumreifen bezahlt Laufleistung, die nie abgerufen wird. Bei Vielfahrern ist es umgekehrt. Wer 25.000 Kilometer im Jahr fährt, wechselt einen Reifen mit 30.000 Kilometern Laufleistung nach gut einem Jahr und bezahlt die Montage rund zwei Drittel häufiger als bei einem Reifen mit 50.000.
Spartipps, die wirklich Geld bringen
Gespart wird bei Reifen selten am Stückpreis, sondern an den Entscheidungen davor: erst die Größe klären, dann den Gesamtpreis vergleichen, zuletzt über die Marke reden. Diese Hebel haben im Alltag den größten Effekt:
- Vergleiche den Gesamtpreis statt des Stückpreises. Wie sich Montage, Partnerwerkstatt und Rückgabe auf die Rechnung auswirken, rechnet Reifen online oder in der Werkstatt kaufen an einem Beispiel durch.
- Wähle bei der Neuwagenbestellung die kleinste Felge, die dir gefällt. Ein Satz kostet auf 16 Zoll rund 400 Euro weniger als auf 19.
- Schau auf das Produktionsdatum an der Flanke. Ein Reifen, der drei Jahre im Lager lag, darf billiger sein.
- Wechsle selbst, wenn du Platz und Drehmomentschlüssel hast.
- Tausche nicht erst bei 1,6 Millimetern. Wer bei 3 Millimetern wechselt, zahlt etwas früher, hat aber im Regen deutlich mehr Reserve.
- Kontrolliere den Luftdruck. Zu wenig Druck schleift die Schultern ab und frisst Kilometer.
Mit dem EU-Reifenlabel hast du seit dem 1. Mai 2021 ein zweites Werkzeug. Es nennt Rollwiderstand, Nasshaftung und Außengeräusch, und die Rollwiderstandsklasse schlägt sich im Spritverbrauch nieder. Die Angaben stammen vom Hersteller, deshalb ersetzen sie keinen unabhängigen Test, taugen aber, um zwei Reifen in derselben Preislage zu trennen.
Wer die Kosten rund um den Reifen lieber nach Themen sortiert liest, findet sie gebündelt in der Rubrik Reifen und Kosten.
Quellen und Rechtsgrundlagen
- ADAC: Teurer Räderwechsel, so lassen sich Kosten sparen (Stand 20.3.2026)
- Händlerpreise und Preisvergleichsportale, Richtwerte der Redaktion, Oktober 2026
- Verordnung (EG) Nr. 661/2009 (RDKS-Pflicht für neu zugelassene Pkw seit 1.11.2014)
- Verordnung (EU) 2020/740 (Reifenlabel mit Rollwiderstand und Nasshaftung)