Reifentests 2026 richtig lesen
Reifentests 2026 richtig lesen heißt, Testgröße, Testauto und Gewichtung zu kennen, bevor du auf die Note schaust. Wir erklären, wie ADAC, AUTO BILD und GTÜ prüfen, wo ihre Ergebnisse enden und wie du sie auf deine Reifengröße übersetzt.
Von Lena Brandt, fachlich geprüft von Tobias Rehm. Stand Oktober 2026.

An der Pinnwand in unserer Redaktion hängen seit dem Frühjahr drei Reifentests nebeneinander. Anlass war ein Streit am Kaffeeautomaten: Ein Modell, das in einem Heft als Nassspezialist durchging, landete im nächsten Test im Mittelfeld. Beide Tests waren sauber gemessen. Der Unterschied lag woanders, bei der Größe, beim Testauto und bei der Gewichtung der Disziplinen. Wer Reifentests 2026 richtig lesen will, liest deshalb nicht zuerst die Note, sondern wie sie zustande kam.
Wer die Reifentests 2026 macht
Im deutschsprachigen Raum geben vier Namen den Ton an: der ADAC mit seinen europäischen Partnerclubs, die Redaktion von AUTO BILD, die GTÜ gemeinsam mit der Auto Zeitung und dem österreichischen ARBÖ und die Stiftung Warentest, die auf test.de die ADAC-Ergebnisse einordnet. Jeder prüft pro Jahr nur eine oder wenige Größen. Die Tabelle zeigt, wo die Sommerreifentests 2026 ansetzen.
| Test | Testgröße 2026 | Umfang | Testfahrzeug | Eigenheit |
|---|---|---|---|---|
| ADAC | 225/50 R17 | 16 Reifen | Audi A4 | je Modell 28 Reifen aus bis zu fünf Händlern |
| AUTO BILD | 245/45 R19 | 50 Profile, 20 im Finale | BMW 5er | verdeckter Einkauf, Qualifying mit Bremstest |
| GTÜ mit Auto Zeitung und ARBÖ | 235/45 R18 | 10 Modelle | Audi A5 | Punktewertung, maximal 300 Punkte |
| Stiftung Warentest | wie ADAC (225/50 R17) | Auswertung auf test.de | ADAC-Daten | verweist auf die Originaltabellen |
Die Testgröße wechselt von Jahr zu Jahr. Der ADAC prüfte 2024 in 215/55 R17, 2025 in 225/40 R18 und 2026 in 225/50 R17. Wer 205/55 R16 fährt, die Größe vieler Kompakter, findet sich in keinem der vier Sommerreifentests 2026 wieder. SUV-Fahrer haben es etwas besser: AUTO BILD hat zusätzlich einen SUV-Test in 255/45 R19 veröffentlicht, und was bei dieser Fahrzeugklasse an Last und Verschleiß zusammenkommt, steht bei SUV Reifen.
Bei der Stiftung Warentest lohnt ein zweiter Blick auf die Quelle. Auf test.de steht die Zusammenstellung der besten Sommerreifen aus den ADAC-Tests, mit Verweis auf die vollständigen Tabellen beim ADAC. Die Messfahrten stammen vom ADAC, die Einordnung von test.de. Prüfe bei jedem Ergebnis, wer gefahren ist und in welchem Jahr, bevor du zwei Quellen als zwei unabhängige Bestätigungen zählst.
Winterreifentests laufen nach demselben Muster, nur mit anderen Disziplinen: Beschleunigen, Bremsen und Handling auf Schnee, dazu Nässe und trockene Strecke. Auch dort wechseln die Größen von Jahr zu Jahr. Für das Winterhalbjahr gilt zusätzlich, dass ein getesteter Reifen nur dann überhaupt als Winterreifen zählt, wenn er das Alpine-Symbol trägt.
Kriterien und Gewichtung der Reifentests 2026
Beim ADAC gehen 70 Prozent der Gesamtnote auf die Fahrsicherheit, 30 Prozent auf die Umweltbilanz. Innerhalb der Sicherheit entscheidet die nasse Fahrbahn mit 60 Prozent, die trockene mit 40. Auf nassem Asphalt und Beton bremst der Test von 80 km/h bis zum Stillstand, auf trockener Strecke von 100 km/h. Dazu kommen Handling, Kreisfahrt und Aquaplaning. Die Nasshaftung ist damit der größte Einzelposten der Note. Rechnest du die Gewichte durch, entfallen 42 Prozent der Gesamtnote auf die Nassdisziplinen und 28 auf die trockenen, zusammen also 70.
Die Umweltbilanz teilt sich so auf: Laufleistung 40 Prozent, Reifenabrieb 20, Reifengewicht und Kraftstoffverbrauch 20, Geräusch 10 und die Auskünfte der Hersteller zu zwölf Umweltaspekten, etwa Herstellungsland, Zertifikate und Rücknahmesysteme, ebenfalls 10. Auf die ganze Note umgerechnet macht die Laufleistung 12 Prozent aus, der Abrieb 6, Gewicht und Verbrauch zusammen 6, das Geräusch 3 und die Herstellerauskünfte 3. Ein Reifen kann seine Note also deutlich leichter auf der nassen Straße gewinnen oder verlieren als bei der Umweltbilanz. Beim Verbrauch misst der ADAC bei konstant 100 km/h, und hier steckt der Rollwiderstand des Reifens. Die Laufleistung rechnet der Test aus dem Verschleiß nach 15.000 gefahrenen Kilometern hoch, bis die gesetzlichen 1,6 Millimeter erreicht wären. Das ist eine Prognose, keine Messung über die ganze Lebensdauer.
Dazu gibt es Abwertungsregeln: Fällt ein Teilkriterium schlecht aus, drückt es die Gesamtnote, auch wenn der Rest glänzt. Ein Reifen mit Schwächen auf nasser Fahrbahn kann das nicht über gute Verschleißwerte ausgleichen. Das ist richtig so, denn auf nasser Straße entscheiden wenige Meter über den Unfall.
AUTO BILD geht anders vor. Aus 50 verdeckt eingekauften Profilen kommen nur die 20 besten Bremser in den Volltest. Ein Reifen, der schlecht bremst, fliegt raus, egal wie lange er hält. Im Volltest zählen unter anderem Aquaplaning, trockenes Verhalten, Handling, die prognostizierte Laufleistung und eine Sonderwertung „Grüner Reifen“. Die GTÜ wertet Bremswege und Rundenzeiten auf trockener und nasser Fahrbahn in einem Punktesystem mit maximal 300 Punkten. Die Systeme beantworten verschiedene Fragen. Der ADAC sucht das beste Gesamtpaket, AUTO BILD siebt über das Bremsen, die GTÜ wertet Zeit und Weg.
„Ein Test sagt dir, wie sich ein Reifen an einem Audi A4 auf der Teststrecke verhält. Dein Golf und dein Arbeitsweg stehen nicht in der Tabelle.“
Tobias Rehm, Kfz-Techniker und Reifenfachverkäufer
Die Grenzen: was ein Reifentest nicht beantwortet
Der erste Vorbehalt ist banal und wird trotzdem übersehen: ein Auto, eine Größe, eine Strecke. Der ADAC fährt die trockenen Disziplinen auf einem Bridgestone-Gelände in Italien und auf dem eigenen Gelände in Penzing, die nassen Fahrten, den Verbrauch und das Geräusch auf einer Continental-Strecke in Deutschland. Den Verschleiß misst er im Konvoi auf öffentlichen Straßen bei Landsberg am Lech und am Prüfstand. Nach Angaben des ADAC sitzen Reifenhersteller nicht im Testkonsortium, das Methode und Produkte per Mehrheit festlegt. Partner in der Methodendiskussion sind unter anderem ICRT, ÖAMTC und TCS. Das ist transparent, aber es bleibt ein Gelände, auf dem dein Heimweg bei Nieselregen und Rollsplitt nicht vorkommt.
Der zweite Vorbehalt betrifft die Serie. Der ADAC kauft pro Modell 28 Reifen bei bis zu fünf Händlern, damit kein handverlesenes Testmuster gewinnt. Das schützt vor Ausreißern, aber nicht vor Modellpflege: Wenn der Hersteller ein Jahr später die Mischung ändert, steht weiter derselbe Name auf der Flanke. Prüfe deshalb den Produktionszeitraum im Test und die DOT-Nummer auf deinem Reifen.
Der dritte betrifft den Preis. Er steht in jedem Test als Momentaufnahme, und Händlerpreise bewegen sich innerhalb weniger Wochen. Ein Reifen, der im Frühjahr als Preistipp lief, kann im Herbst zehn Euro mehr kosten, und schon kippt die Rechnung. Der vierte betrifft die Noten selbst. Skalen, Prädikate und Punkte sind von Heft zu Heft verschieden, ein „gut“ des ADAC lässt sich nicht gegen ein Prädikat von AUTO BILD oder gegen 300 Punkte der GTÜ aufrechnen. Das EU-Reifenlabel nach Verordnung (EU) 2020/740 gilt seit dem 1. Mai 2021 und hilft nur als Vorfilter. Die Angaben zu Rollwiderstand, Nasshaftung und Außengeräusch stammen vom Hersteller, kontrolliert wird stichprobenartig.
Reifentests 2026 auf die eigene Größe übertragen
Ob sich ein Testergebnis auf deinen Reifen übertragen lässt, hängt vom Modell ab, das du vor dir hast. Gleicher Modellname, gleiche Generation und eine Größe in der Nähe: dann taugt die Rangfolge als Hinweis. Anderer Profilname, Zweitmarke oder anderes Segment: dann taugt sie nicht. Die folgende Übersicht trennt, was sich auf deine Größe mitnehmen lässt und was nicht.
| Aussage im Test | Übertragbar? | Warum |
|---|---|---|
| Rangfolge bei Nässe | meist ja, bei gleichem Modell | gleiche Mischung und Profilfamilie, Breite verschiebt die Abstände |
| Bremsweg in Metern | nein | gilt für Größe, Auto, Temperatur und Strecke |
| Laufleistung in Kilometern | grob | Gewicht, Antriebsachse und Fahrstil verschieben sie |
| Geräuschwerte | eingeschränkt | Breite und Aufbau des Reifens ändern den Klang |
| Note eines anderen Profils derselben Marke | nein | andere Konstruktion, andere Mischung |
Tobias Rehm arbeitet mit einer Faustregel aus der Werkstatt: Je näher Breite und Querschnitt deiner Größe an der Testgröße liegen, desto eher stimmt die Rangfolge. Zwischen 205/55 R16 und 225/50 R17 würde er noch vorsichtig übertragen, zwischen 175/65 R14 und 245/45 R19 gar nicht.
Ein Beispiel: Du fährst 205/55 R16, das getestete Modell gibt es in 225/50 R17 und in deiner Größe. Der Name auf der Flanke ist derselbe, die Generation auch. Dann ist die Rangfolge bei Nässe ein brauchbarer Wegweiser, die Bremswege in Metern bleiben es nicht. Kaufst du dagegen das günstige Schwestermodell derselben Marke, sagt dir die gute Note des Premiummodells nichts. Dort hilft nur ein eigener Test des Schwestermodells. So gehst du vor:
- Notiere Modellname, Generation und Testgröße.
- Vergleiche mit dem Namen auf deiner Flanke und achte darauf, dass du nicht das Vorgängermodell vor dir hast.
- Schau, ob deine Größe als XL oder mit Notlaufeigenschaft gebaut ist, denn das verändert das Verhalten.
- Lies die Produktionswoche an der Flanke ab.
- Rechne den Gesamtpreis, nicht den Stückpreis, mit dem Reifenkosten-Rechner auf fünf Jahre durch.
Was die Unterschiede in Euro bedeuten, zeigt Was Reifen kosten an Beispielen. Wo du die getesteten Modelle am besten kaufst, steht in Reifen online oder in der Werkstatt kaufen. Alle Themen rund ums Geld bündelt die Rubrik Reifen und Kosten.
Unsere Reihenfolge beim Lesen: erst die Testgröße, dann das Auto, dann die Gewichtung, ganz am Ende die Note. Ein Test liefert dir Fragen, die du an deine Reifen stellen kannst, selten fertige Antworten.
Quellen und Rechtsgrundlagen
- ADAC Sommerreifentest 2026, Testgröße 225/50 R17 (Methodik und Gewichtung)
- test.de: Die besten Sommerreifen aus den ADAC-Tests (Testgrößen 2024 bis 2026)
- AUTO BILD Sommerreifentest 2026 (245/45 R19) und GTÜ-Sommerreifentest 2026 mit Auto Zeitung und ARBÖ (235/45 R18)
- Verordnung (EU) 2020/740 (Reifenlabel)