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Wohnmobil Reifen

Wohnmobil Reifen tragen bis an die Achslast, stehen monatelang still und altern von innen, bevor man es sieht. Hier steht, was CP-Reifen von C-Reifen unterscheidet, wie du Lastindex und Luftdruck am echten Gewicht deines Fahrzeugs festmachst und wann der Satz runter muss.

Von Lena Brandt, fachlich geprüft von Tobias Rehm. Stand Oktober 2026.

Wohnmobil Reifen

Ein Leser aus der Rhön schrieb uns im April: Sein Teilintegrierter habe den Winter am Waldrand gestanden, und beim ersten Anfahren habe es gerumpelt „wie ein Güterzug“. Auf den Reifen war nichts zu sehen. Es waren Standplatten. Nach rund 25 Kilometern Landstraße verschwand das Rumpeln fast ganz, nur am linken Hinterrad blieb ein leichtes Wummern. Wohnmobil Reifen stehen mehr, als sie rollen, und sie tragen dabei fast bis zur Grenze, die der Hersteller für die Achse zugelassen hat. Das ist eine andere Belastung als im Pkw.

Bei Reifen am Wohnmobil kommt zu Alter, Druck und Profil die Standzeit dazu, und ein Platzer an der Hinterachse eines 3,5-Tonners ist eine andere Hausnummer als am Kleinwagen. Die anderen Fahrzeugklassen stehen unter Reifen nach Fahrzeug. Wer auf Kastenwagenbasis ausbaut, findet bei Transporter Reifen die Lastindex-Logik der C-Reifen, und wer mit dem Wohnmobil einen Roller- oder Fahrradanhänger zieht, schaut zu Anhänger Reifen.

Wohnmobil Reifen: CP, C oder Pkw-Reifen

Wohnmobil Reifen tragen entweder die Kennzeichnung CP für Camping oder C für Commercial, also Transporter. Pflicht ist keins von beiden. Entscheidend ist der Lastindex, der zur zulässigen Achslast passen muss. CP-Reifen haben eine verstärkte Karkasse, vertragen höheren Druck und gelten als widerstandsfähiger gegen Standzeiten.

Die ETRTO empfiehlt die CP-Kennzeichnung seit 2003, und die Felgen dazu bekommen Metallschaftventile für die höheren Drücke. Ein Pkw-Reifen erreicht die nötigen Indizes fast nie: Mit Lastindex 91 bis 100 trägt er 615 bis 800 Kilo, ein Sprinter-Reifen mit 121/119 trägt 1.450. Für ausgebaute Kastenwagen mit geringer Achslast reicht ein guter C-Reifen. Ich würde CP aber ab dem Teilintegrierten nehmen, weil dem Fahrzeug die langen Standzeiten zusetzen.

Der Lastindex steht als Zahl hinter der Größe und gibt die Tragfähigkeit je Reifen an. Die Prüfregel ist einfach. Zweimal der Wert muss mindestens die zulässige Achslast ergeben. Bei Zwillingsmontage gilt die zweite Zahl hinter dem Schrägstrich. Ein höherer Index als im Fahrzeugschein ist jederzeit erlaubt, ein niedrigerer nicht. Beim Reifenwechsel gehören die Ventile mit auf die Rechnung: Für die hohen Drücke sind Metallschaftventile vorgesehen, gewöhnliche Gummiventile sind dafür nicht gedacht.

Größe (Beispiel) Lastindex Tragfähigkeit je Reifen Zwei Reifen einer Achse
215/70 R15 CP 109/107 R 109 1.030 kg 2.060 kg
225/65 R16 CP 112/110 R 112 1.120 kg 2.240 kg
225/75 R16 CP 118/116 R 118 1.320 kg 2.640 kg
235/65 R16 C 121/119 R 121 1.450 kg 2.900 kg

Rechenbeispiel: Ein Teilintegrierter hat 3.500 Kilo zulässiges Gesamtgewicht, die Hinterachse ist bis 2.100 Kilo zugelassen. Zwei Reifen mit Lastindex 109 tragen zusammen 2.060 Kilo, das reicht nicht, obwohl die Größe passt. Mit Lastindex 112 sind es 2.240 Kilo, und die Achse hat Luft.

Das Alter der Wohnmobil Reifen: Wann ein Satz runter muss

Ein gesetzliches Höchstalter gibt es nicht. Tobias rechnet so: Ab dem sechsten Jahr lässt du den Satz prüfen, spätestens um das zehnte Jahr gehört er runter, auch wenn noch 6 Millimeter Profil stehen. Gummi altert von innen und von außen, im Stand besonders unter UV-Licht. Das Magazin promobil nennt für Reisemobile 6 bis 10 Jahre, und die Spanne passt zu dem, was wir in der Werkstatt sehen.

Das Alter liest du an den letzten vier Ziffern der DOT-Kennzeichnung ab. Steht dort 3521, wurde der Reifen in der 35. Kalenderwoche 2021 gefertigt. Der Reifenalter-Rechner nimmt dir die Rechnerei ab und sagt dir, ob der Satz noch in der Prüfzone liegt. Siehst du feine Risse in der Flanke oder im Rillengrund, ist das kein Fall für die Heimfahrt bis zum Sommer. Woran du einen Reifenschaden erkennst und was in die Werkstatt gehört, klärt ein eigener Beitrag.

Zu Hause in der Garage sieht ein sechs Jahre alter Reifen oft makellos aus. Tobias erinnert sich an einen Kastenwagen aus zweiter Hand, 6 Millimeter Profil, DOT-Jahr 2013, Flanken glatt. Beim Abziehen vom Felgenhorn zeigten sich die Risse an der Innenseite. Der Satz ging am selben Tag in den Container.

Luftdruck bei Wohnmobil Reifen: Wiegen statt Raten

Wohnmobilreifen brauchen mehr Druck als Pkw-Reifen, und wie viel, hängt von der Last ab, die wirklich auf dem Rad liegt. Der Hersteller nennt eine Basisangabe für die Höchstlast, beim Fiat Ducato zum Beispiel 5,5 bar. Ein CP-Reifen mit Lastindex 118 trägt 1.320 Kilo bei höchstens 5,5 bar. Liegt die Radlast deutlich darunter, lassen die Tabellen von Continental und Michelin weniger Druck zu, etwa 4,5 bar.

Dafür musst du wissen, was auf den Achsen liegt. Fahr so beladen auf eine Waage, wie du in den Urlaub startest, mit Passagieren, vollem Frischwassertank und Gasflaschen, und wiege Vorder- und Hinterachse getrennt. Das geht bei TÜV-Stationen, auf Recyclinghöfen oder bei Speditionen mit Fahrzeugwaage. Mit dem Wiegezettel gehst du in die Tabelle des Reifenherstellers. Schwankt die Beladung stark, gilt die höchste zulässige Achslast.

Fall Richtwert Hinweis
Höchstlast, CP-Reifen mit Lastindex 118 bis 5,5 bar Herstellerangabe bei 1.320 kg je Reifen
Geringere Radlast 4,5 bar als Beispiel nur nach Wiegen und Herstellertabelle
Druckverlust im Stand 0,1 bis 0,3 bar je Monat Faustwert, Kontrolle immer kalt

Gemessen wird kalt, am besten vor jeder Fahrt. Das Reifendruck-Kontrollsystem hilft, ersetzt aber das Messgerät nicht. Dass sich nach drei Monaten Winterpause ein halbes bar verabschiedet hat, ist normal, nicht dramatisch.

Wer es genau machen will, wiegt auch einzelne Räder. Ein Unterschied von mehreren Dutzend Kilo zwischen links und rechts zeigt, dass Küchenblock und Kühlschrank auf einer Seite sitzen oder die Staufächer ungleich gefüllt sind. Die Achse trägt dann ungleich, und der schwerere Reifen arbeitet am Limit, obwohl die Achse rechnerisch gut dasteht.

Standplatten und lange Standzeiten

Standplatten sind Verformungen der Karkasse, die entstehen, wenn ein Reifen lange mit zu wenig Druck auf einer Stelle steht. Wo sie sitzen, rumpelt es beim Anfahren, und ein Teil bleibt als Schaden. CP-Reifen sind für Standplatten weniger anfällig, schützen aber nicht vor jeder Standzeit.

„Ein Wohnmobil altert nicht nach Kilometern, sondern nach Wintern. Wer vier Mal an derselben Stelle steht, belastet vier Mal dieselbe Fläche.“

Tobias Rehm, Kfz-Techniker und Reifenfachverkäufer

Am besten bockst du das Fahrzeug auf, sodass die Räder entlastet sind. Geht das nicht, fährst du den maximalen Luftdruck und bewegst das Fahrzeug mindestens einmal im Monat, damit die Auflagefläche wechselt. Bohlen unter den Reifen halten sie von Feuchte und kaltem Asphalt fern, Schutzhüllen von UV-Licht.

Die Saisonprüfung in sechs Handgriffen

Vor der ersten großen Fahrt des Jahres dauert die Kontrolle eine halbe Stunde und spart im Ernstfall einen Reifenwechsel am Standstreifen:

  1. Profil quer über die Lauffläche an drei Stellen messen. Gesetzlich gelten 1,6 Millimeter nach § 36 StVZO, wechseln würde ich im Sommer bei 3 Millimetern.
  2. Flanken auf Risse, Beulen und eingedrungene Fremdkörper absuchen, Ventilkappen auf Dichtheit prüfen.
  3. DOT-Woche jedes Reifens notieren, auch die des Reserverads.
  4. Druck kalt auf den Wert aus dem Wiegezettel stellen.
  5. Radmuttern mit dem Drehmomentschlüssel nach Herstellerangabe prüfen.
  6. Reserverad oder Pannenset auf Druck, Zustand und Verfallsdatum des Dichtmittels ansehen.

Die 3,5-Tonnen-Grenze und die Zuladung

Der Führerschein der Klasse B reicht bis 3,5 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht, und Wohnmobile liegen häufig knapp darunter. Fahrzeuge darüber verlangen Klasse C1. Die Reifen machen die Grenze nicht größer: Der Lastindex sagt, was der Reifen trägt, nicht was das Fahrzeug tragen darf. Mit 100 Litern Frischwasser sind 100 Kilo an Bord, eine Heckgarage mit Roller und zwei E-Bikes drückt vor allem auf die Hinterachse.

Fahr einmal voll beladen über die Waage. Liegt die Hinterachse über dem Wert im Schein, nützt dir ein Reifen mit Reserve nichts, denn das Gesamtgewicht bleibt Gesetz. Dann hilft nur Ausladen oder, mit Herstellerzustimmung und Eintragung, eine Auflastung.

Welche Reifen zu welchem Fahrprofil passen

Wer zehn Wochen im Jahr unterwegs ist und das Fahrzeug sonst abstellt, fährt am besten Sommer-CP und bockt konsequent auf. Wer als Dauercamper den Winter im Süden verbringt oder den Skiurlaub plant, nimmt CP-Ganzjahresreifen mit Alpine-Symbol. Wer das Mobil als Zweitwohnsitz nutzt und im Sommer wie im Herbst mehrere Tausend Kilometer fährt, darf sich am Verschleiß orientieren statt am Alter. Meine Reihenfolge beim Kauf: erst Lastindex, dann Alter, dann Marke, am Schluss der Preis.

Winter, Ganzjahr und was ein Satz kostet

Auch im Wohnmobil gilt die situative Winterreifenpflicht nach § 2 Abs. 3a StVO, und seit dem 1. Oktober 2024 zählt nur das Alpine-Symbol. Wer das Fahrzeug von November bis März abstellt, braucht keine Winterreifen. Wer ganzjährig unterwegs ist, findet CP-Ganzjahresreifen mit Alpine-Symbol, etwa den Michelin CrossClimate Camping oder den Continental VanContact Camper.

Zu den Preisen: Bei reifen.com lagen am 28. Oktober 2026 die ersten zwölf Treffer für 215/70 R15 C 109/107 zwischen 65 und 127 Euro je Reifen. Der einzige CP-Treffer in 225/75 R16, der Continental VanContact Camper mit Lastindex 118, kostete 217 Euro, die Ganzjahresreifen ohne CP-Kennzeichnung derselben Größe 66 bis 152 Euro. Vier CP-Reifen kommen damit auf gut 860 Euro, ohne Montage.

Größe und Typ Saison Preis je Reifen, Stichprobe 28.10.2026
215/70 R15 C 109/107 Sommer 65 bis 103 Euro
215/70 R15 C 109/107 Winter 81 bis 127 Euro
215/70 R15 C 109/107 Ganzjahr 93 bis 108 Euro
225/75 R16 CP 118/116 (Continental VanContact Camper) Ganzjahr 217 Euro

Der Leser aus der Rhön hat uns im Sommer noch einmal geschrieben. Sein Fahrzeug steht jetzt im Winter auf vier Holzböcken, die Räder hängen frei, und das Rumpeln im Frühjahr ist ausgeblieben.

Quellen und Rechtsgrundlagen

  • § 36 StVZO (Reifen, Mindestprofiltiefe)
  • ETRTO Standards Manual (Lastindex, CP-Kennzeichnung)
  • Zulassungsbescheinigung Teil I (Achslasten, zulässige Reifengrößen)