Anhänger Reifen
Anhänger Reifen entscheiden darüber, ob dein Gespann 80 oder 100 km/h fahren darf. Wir erklären die Reifenregeln der 9. Ausnahmeverordnung, rechnen mit Lastindex und Massenfaktor und zeigen, warum ein Wohnwagen mit acht Jahre alten Reifen trotz Plakette nur Tempo 80 fährt.
Von Lena Brandt, fachlich geprüft von Tobias Rehm. Stand Oktober 2026.

Im Mai brachte ein Camper seinen Hobby-Wohnwagen zu Tobias Rehm, Baujahr 2018, vor der Fahrt an die Ostsee. Sieben Millimeter Profil, keine Risse, Plakette am Heck, alles sauber. Dann las Tobias die DOT-Nummer: erste Montage 2018, die Anhänger Reifen waren acht Jahre alt. Der Camper war sicher, mit der Plakette dürfe er 100 fahren. Durfte er nicht. Sobald die Reifen sechs Jahre alt sind, endet die Berechtigung, ganz gleich, wie das Profil aussieht.
Was für Reifen im Allgemeinen gilt, klärt die Startseite. Hier geht es um das, was am Gespann anders ist: die Geschwindigkeitsregel und das Alter. Die Übersicht über alle Fahrzeugklassen steht unter Reifen nach Fahrzeug. Wer das Gespann mit einem Wohnmobil zieht, liest zusätzlich Wohnmobil Reifen, und wer einen Kofferanhänger hinter einem Lieferwagen hat, schaut zu Transporter Reifen.
Anhänger Reifen und die 100-km/h-Regel
Anhänger Reifen müssen für Tempo 100 jünger als sechs Jahre sein und mindestens die Geschwindigkeitskategorie L tragen, die 120 km/h entspricht. So steht es in der 9. Ausnahmeverordnung zur StVO, § 3. Ohne diese Voraussetzungen gilt der Normalfall: 80 km/h für Pkw mit Anhänger nach § 18 Abs. 5 StVO. Die 100 km/h gelten dabei nur auf Autobahnen und Kraftfahrstraßen, auf der Landstraße ändert die Plakette nichts.
Die Reifen sind nur ein Teil der Rechnung. Das Zugfahrzeug braucht ABS, und die Masse des Anhängers hängt an der Leermasse des Zugfahrzeugs. Wie hoch der Faktor liegt, hängt vom Anhängertyp ab:
| Anhängertyp | Zulässige Gesamtmasse höchstens |
|---|---|
| Ungebremst oder ohne hydraulische Stoßdämpfer | 0,3 × Leermasse des Zugfahrzeugs |
| Wohnanhänger, gebremst, mit hydraulischen Stoßdämpfern | 0,8 × Leermasse |
| Wohnanhänger mit Stabilisierung an der Zugkugelkupplung | 1,0 × Leermasse |
| Anderer Anhänger, gebremst, mit hydraulischen Stoßdämpfern | 1,1 × Leermasse |
| Anderer Anhänger mit Stabilisierung | 1,2 × Leermasse |
Ein Beispiel von promobil: Bei 1.643 Kilo Leermasse des Zugfahrzeugs darf ein Wohnwagen ohne Stabilisierung 1.314 Kilo wiegen. Mit Stabilisierung sind es 1.643. Bei den anderen Anhängern ist die zulässige Anhängelast des Zugfahrzeugs die zweite Grenze, es gilt der kleinere Wert.
Die Stabilisierung muss nachgewiesen sein. Gemeint sind Stabilisierungskupplungen an der Zugkugel (promobil nennt AKS, KS und WS), elektronische Systeme wie ATC, ETS Plus oder LEAS oder ein Zugfahrzeug mit Anhänger-ESP. Fehlt der Nachweis, bleibt es beim niedrigeren Faktor.
Dazu kommen Papiere und Plakette. Die Berechtigung muss in den Fahrzeugpapieren des Anhängers eingetragen sein, hinten sitzt die gesiegelte Tempo-100-Plakette. Der Weg dorthin ist überschaubar:
- Prüfen, ob Hersteller oder Typenschild die 100 km/h freigeben, sonst Vorführung beim Sachverständigen.
- Reifen kontrollieren: unter sechs Jahre, mindestens Kategorie L.
- Mit dem Prüfbericht zur Zulassungsstelle.
- Geänderte Papiere und Plakette abholen, Plakette gut sichtbar hinten anbringen.
Die Vorführung kostet nach Angaben der Autozeitung (Stand April 2025) 60 bis 80 Euro, die Umschreibung der Papiere 10 bis 20 Euro, zusammen etwa 70 bis 100 Euro. In München liegt der Gebührenrahmen für die Plakette bei 5,30 Euro.
Die Sechs-Jahres-Grenze bei Anhänger Reifen im Alltag
Das Alter bestimmt das eingeprägte Herstellungsdatum. Die DOT-Nummer endet mit vier Ziffern: die ersten beiden für die Kalenderwoche, die letzten beiden für das Jahr. 3521 heißt also Woche 35 im Jahr 2021. Ab dem Tag, an dem der Reifen sechs Jahre alt wird, darfst du mit dem Gespann nicht mehr 100 fahren. Das gilt auch dann, wenn die Plakette noch klebt.
„Die Plakette klebt am Heck, die Reifen sind acht Jahre alt. Dann gilt Tempo 80, auch wenn der Wohnwagen jahrelang 100 gelaufen ist.“
Jens Albrecht, Prüfingenieur einer technischen Prüfstelle in Leipzig
Dahinter steckt keine Schikane. Anhänger stehen lang, und Gummi altert auch ohne Kilometer: UV-Licht, Ozon, Wechsel von Hitze und Frost. Hersteller und Prüfstellen empfehlen den Wechsel nach spätestens sieben bis zehn Jahren, in der Branche gilt ein Reifen bis drei Jahre nach Produktion noch als neu. Für den Alltag heißt das, dass du Anhängerreifen mit frischem Datum kaufst und ab dem fünften Jahr genauer hinschaust. Der Reifenalter-Rechner liefert Alter und die Anhängerregel nach Eingabe der DOT-Nummer.
Lastindex und Größen: Was Anhängerreifen tragen
Anhängerreifen tragen oft eine doppelte Zahl, etwa 104/101. Die erste gilt für Einzelbereifung, die zweite für Zwillingsmontage. Beim Wohnwagen mit einer Achse zählt meist die erste. Der Lastindex pro Reifen mal zwei muss die zulässige Achslast abdecken. Dazu kommt der Geschwindigkeitsindex: L bedeutet 120 km/h, N 140, R 170. Ein höherer Index als im Fahrzeugschein ist erlaubt, ein niedrigerer nicht.
| Größe | Lastindex | Tragfähigkeit je Reifen | Geschwindigkeitsindex | Typischer Einsatz |
|---|---|---|---|---|
| 155 R13 79 N | 79 | 437 kg | N, 140 km/h | Kleinanhänger, Pkw-Anhänger |
| 185 R14 C 102/100 N | 102 / 100 | 850 / 800 kg | N, 140 km/h | Wohnwagen, Einachser |
| 195/50 R13 C 104/101 N | 104 / 101 | 900 / 825 kg | N, 140 km/h | Tiefladeanhänger, Tandemachser |
| 195/70 R15 C 104/102 R | 104 / 102 | 900 / 850 kg | R, 170 km/h | Zweiachser, schwerer Wohnwagen |
Die Größen sind Beispiele. Was dein Anhänger fahren darf, steht in der Zulassungsbescheinigung Teil I und auf dem Typenschild am Rahmen. Beide Reifen einer Achse brauchen dieselbe Größe und Bauart, und für Tempo 100 muss jeder einzelne die Kategorie L erfüllen.
Ein Wohnwagen fährt in den Urlaub voll beladen, und das Typenschild nennt die Achslast, die dann tatsächlich erreicht wird. Ich würde deshalb nicht den kleinsten zulässigen Index wählen, sondern den, der die Achslast mit Luft abdeckt. Zwei Indexstufen mehr kosten beim Kauf oft nur wenige Euro, bringen aber Reserve für Schlaglöcher, Bordsteine und den Tag, an dem doch die Getränkekisten im Bug liegen.
Winter und Ausland
In Deutschland gilt die situative Winterreifenpflicht nach § 2 Abs. 3a StVO für Kraftfahrzeuge, nicht für den Anhänger dahinter. Das Zugfahrzeug braucht bei Schneematsch das Alpine-Symbol, der Wohnwagen darf noch auf seinen Sommerreifen stehen. Sobald du die Grenze überquerst, ändert sich das. Finnland und Schweden verlangen laut einer Übersicht von Transport Online aus dem Jahr 2023 im Winter auch für Anhänger Winterreifen, Finnland ab einem Gewicht von 0,75 Tonnen. Prüf die Regeln vor der Reise bei deinem Automobilclub, sie ändern sich.
Stützlast, Luftdruck und Standzeiten
Die Stützlast ist der Druck, mit dem die Deichsel auf die Zugkugel des Autos drückt. Für Tempo 100 verlangt die 9. Ausnahmeverordnung in § 4, dass sie sich an der größtmöglichen Stützlast von Zugfahrzeug oder Anhänger orientiert, wobei der niedrigere der beiden Höchstwerte die Grenze bildet. Der TÜV Nord rät, sie nahezu auszuschöpfen, aber nie zu überschreiten. Mit Stützlast sitzt die Hinterachse des Zugfahrzeugs tiefer, also such auf dem Reifendruck-Aufkleber die Zeile für hohe Beladung oder Anhängerbetrieb.
Die Stützlast misst du mit einer Stützlastwaage oder mit einer Personenwaage, einem Rohr und einer Rolle, die du unter die Deichsel stellst. Messen musst du beladen und mit beladenem Zugfahrzeug. Das wird oft vergessen, und doch hängt die Fahrstabilität daran. Bei zu wenig Stützlast schaukelt der Anhänger auf, bei zu viel geht die Hinterachse des Autos in die Knie.
Beim Anhänger selbst nennen Caravan-Hersteller je nach Reifen und Last Drücke von 2,5 bis über 4 bar. Maßgeblich sind das Typenschild und die Herstellerdaten des Reifens. Im Stand verlieren Reifen Luft, in der Praxis 0,1 bis 0,5 bar im Monat. Wer den Wohnwagen über den Winter abstellt, pumpt 0,3 bis 0,5 bar über den Normalwert und kontrolliert alle drei Monate. Bockst du den Anhänger auf oder stellst ihn auf abgerundete Keile, entlastest du die Reifen und verhinderst Standplatten.
Wer den Anhänger nicht aufbocken kann, bewegt ihn außerhalb der Saison mindestens einmal im Monat um einen halben Meter. Das klingt nach Kleinkram, aber die Verformung der Karkasse bleibt, wenn der Reifen monatelang auf einer Stelle steht.
Was Anhänger Reifen kosten und wann sie sich lohnen
Auf reifen.com lagen am 28. Oktober 2026 die ersten Treffer für Anhängerreifen zwischen 61 Euro (195/70 R15 C, Kenda Komendo KR 33) und 168 Euro je Reifen (215/60 R16 C, Goodyear Vector 4Seasons Cargo). Ein Satz aus vier Reifen liegt damit grob zwischen 245 und 670 Euro ohne Montage, ein Einachser braucht nur zwei.
Ich würde bei Anhängerreifen nicht am unteren Rand sparen, weil sie weniger fahren, aber länger altern. Frische Ware mit einem Datum aus den letzten zwölf Monaten hält die Sechs-Jahres-Grenze am längsten. Wer häufig fährt, schaut auf die Kosten pro Kilometer, wer selten fährt, auf das Alter.
Platzt ein Reifen am Anhänger, schlingert das Gespann zuerst. Dann hilft nur: Gas weg, Lenkrad festhalten, nicht voll bremsen und das Gespann ausrollen lassen. Prüf vorher, ob Reserverad, Radschlüssel mit passender Nuss und ein tragfähiger Wagenheber im Wohnwagen liegen, denn das Bordwerkzeug des Autos passt nicht immer zu den Radmuttern des Anhängers. Das Vorgehen bei einer Reifenpanne im Detail steht in der Rubrik Probleme.
Quellen und Rechtsgrundlagen
- Neunte Verordnung über Ausnahmen von den Vorschriften der StVO (9. AusnVO StVO), §§ 1, 3 und 4
- § 18 Abs. 5 StVO (Höchstgeschwindigkeit mit Anhänger)
- ETRTO Standards Manual (Lastindex, Geschwindigkeitskategorie)